Lev Silber. Gemälde von Gitenis Umbrasas. Litauen 1984


            


1953              geboren am 1. Dezember in Gorki (Nischni Nowgorod)

1971-77        Studium an der Mathematischen Fakultät der Gorki-Universität

1973-78        Programmierer in einem Rechenzentrum, Gorki

1978-88        Heizer in Gorki, Arbeit bei der Lawinenschutzstation in den Bergen von

                      Kirgisien, Funker auf einer Wetterstation in Georgien,

                      Pferdepfleger in einer Reitschule für Kinder in Gorki

1982              Beginn der Beschäftigung mit Fotografie

seit 1988       freiberuflicher Fotograf

In Februar 2011 hat mich die Deutsche Gesellschaft für Photographie (DGPh) zum Mitglied berufen.


                                       Spiegel der Lebensfreude

           Ausstellung mit Fotos Lev Silbers eröffnet heute die Reihe ,,Kultur - Kultura"

   

Von Tom Bullmann

OSNABRÜCK. Der Kölner Karneval, festgehalten In Schwarzweiß-Bildern vom russischen Fotografen Lev Silber, sowie russische Landschaften und Per­sonenporträts - das sind die Themen einer Ausstel­lung, die heute im Luther­haus eröffnet wird. „Stand­bilder" ist der Titel der Foto­schau, die die Veranstal­tungsreihe „Kultur – Kultura“ begleitet.

„Diesen Mann mochte ich", sagt Silber in seiner sanften Art. Sein Blick ruht auf dem Porträt von Pankrati Ermilowitsch, einem 75-jährigen Russen, den Silber in den 90er Jahren in dessen Heimatdorf Pustin irgendwo in der Nähe von Nischni Nowgorod ablichtete. Die Sympathie, die der Fotograf für sein Modell hegte, über trägt sich auf das Porträt, verleiht ihm eine besondere menschliche Ausstrahlung: Unter dem Bart, der fast das ganze Gesicht des Alten verdeckt, scheint sich ein lächeln zu verbergen.

Auch die 59-jährige Irina lichtete Silber in einem besonderen Moment ab. Ihre geschlossenen Augen zeugen nicht von Müdigkeit, sondern von einer gewissen Art Konzentration. „Sie hatte mir gerade von ihrem Vater erzählt, der sich aus den Fängen des KGB befreien konnte", erinnert sich Lev Silber. Die Zufriedenheit über diese positive Wende ihr Leben der Frau liegt wie eine Aura über der Fotografie.

Der Moment der Ruhe ist dem 1953 in Nischni Nowgorod geborenen Russen wichtig - nicht nur in der Fotografie, sondern auch in Bezug auf sein eigenes Leben. Der gelernte Mathematiker gab seinen Job als Programmierer auf, um einfache Arbeiten als Heizer, Funker, Lawinen Schutztechniker oder Pferdepfleger anzunehmen, die ihn häufig in entlegene Gegen den führten, wo er sich der Kontemplation und der Schönheit der Natur widmen konnte. Was er dort erlebte, wollte er unbedingt dokumentieren und kaufte sich eine Kamera.

Ob er damit den Nebel am Fluss Kerschenez in seiner Heimat oder die rivalisierenden Puschkin Forscher Professor Juri M. Lotmann und Valentin Nepomnjaszczi ablichtete - die Ausstrahlung, das Licht ist für den Fotografen essenziell.

Eine vollkommen andere Wirkung erzielen die Fotos, die der Wahl - Osnabrücker 2004 während der Karnevalszeit in Köln anfertigte. Fröhliche Kinder im Konfetti-Regen, ausgelassene Erwachsene in Verkleidung oder auch das ganz allein auf einer Tribüne sitzende Mädchen mit dem gewinnenden lachen: Diese Bilder sind der Spiegel purer Lebensfreude. Erst auf den zweiten Blick vermisst man die Farbe, die das bunte Karnevalstreiben in der Realität enorm prägt. Aber Lev Silber versteht die rheinische Lust am Feiern auch in Schwarzweiß -Aufnahmen zu vermitteln.

Neue Osnabrücker Zeitung    3. November 2006


Fotos von Lev Silber in der Katharinenkirche

In Stein gehauene Symbolik


Osnabrück. Die verborgene Pracht des jüdischen Friedhofs in Hamburg-Altona zeigen eindrückliche Schwarz-Weiß-Fotografien des Osnabrücker Fotografen Lev Silber. Mit Eröffnung dieser Ausstellung und einem Vortrag wurde die diesjährige „Woche der Brüderlichkeit“, die dem christlich-jüdischen Miteinander gewidmet ist, in der Katharinenkirche eröffnet.

Die 20 stimmungsvollen Fotografien von Grabmälern mit ihren Inschriften und in Stein gehauenen Symbolen wie Tieren, Kronen oder segnenden Priesterhänden sind eine Anregung, sich mit der vielfältigen jüdischen Kultur und Geschichte in Deutschland zu beschäftigen. Ein besonderes Verdienst des Fotografen Lev Silber ist dabei, dass er die hebräischen Inschriften auf den jahrhundertealten Grabsteinen dem Betrachter zugänglich macht: Den Fotografien fügte er eine deutsche Übersetzung hinzu, die er mithilfe von Dokumenten und Unterstützung von Wissenschaftlern recherchierte.

Zur Eröffnung der Fotoausstellung und der von der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit organisierten „Woche der Brüderlichkeit“ hielt Michael Brocke, Professor für Judaistik und Direktor des Salomon-Ludwig-Steinheim-Instituts für deutsch-jüdische Geschichte, einen Vortrag über diesen Friedhof. Er leitete dessen aufwendige und umfangreiche Restaurierung von 2001 bis 2006. Zuvor war die Anlage in einem bedrohlich schlechten Zustand und für die Öffentlichkeit nicht mehr zugänglich. Vandalismus, besonders während der Nazizeit, Bombenkrieg und Vernachlässigung hatten bereits viel 

wertvolle Substanz der 1614 gegründeten und Mitte des 19. Jahrhunderts geschlossenen Begräbnisstätte zerstört. Heute gilt dieser Ort mit knapp zwei Hektar als einer der größten und mit 5000 Grabmalen als einer der bedeutendsten jüdischen Friedhöfe. Das Besondere daran: Es sind eigentlich zwei Friedhöfe. Der eine war Begräbnisstätte der Sepharden, der aus Spanien und Portugal vertriebenen Juden, der andere gehörte den Aschkenasen, den Juden aus Deutschland und dem Osten. Als später die beiden Friedhöfe zusammengelegt wurden, trafen die verschiedenen Begräbniskulturen unmittelbar aufeinander.

Die Fotoausstellung ist bis 20. März in St. Katharinen zu sehen. Geöffnet ist sie montags bis freitags von 9 bis 16.30 Uhr, samstags 11 bis 12.30 Uhr, sonntags 14.30 bis 16.30 Uhr.

Komplettes Programm unter www.gcjz-osnabrueck.de .

Neue Osnabrücker Zeitung    22. Februar 2011


                                            Autobiographisches

Ich wurde im Dezember des Jahres 53 in der Stadt Nischni Nowgorod geboren. Mein Vater arbeitete als Klempner in einer Fabrik, meine Mutter blieb mit mir zu Hause. Wir hatten ein kleines Haus mit Ofen. Auch ringsum gab es nur diese kleinen Häuser. Im Frühling überschwemmte das Schmelzwasser die Straße bis zu unserem Haus, und ich vertrieb mir die Zeit damit, Larven und Käfer zu fangen, Raupen zu füttern. Hunde, Tauben und Katzen waren meine Freunde, und Hund und Katze haben sich „nicht gestritten“. Ich war das einzige Kind meines Alters in dieser Gegend. Im Einklang mit der Natur und mit mir dachte ich lange, es gäbe nur gute Menschen. Ich wusste nichts von Religionen und Konfessionen. Mein Vater respektierte alle Gläubigen.

Dann kam ich zur Schule. Nach ihrer Beendigung studierte ich an der Mathematischen Fakultät der Universität bis 1977 und arbeitete als Programmierer in einem Rechenzentrum. Im selben Jahr kehrte mein Cousin aus Leningrad zurück, wo er an der Kunstschule studiert hatte. Seine Freundschaft wurde mir sehr wichtig. Er machte mich mit der Dichtung Walt Whitmans, Paul Eluards, Blaise Cendrars bekannt, ich sah Bilder von Chagall, van Gogh, Gauguin. Ich spielte Go. 1978 hatte ich vier Kyu. Und in eben diesem Jahr fiel mir Suzukis Buch „Grundlagen des Zenbuddhismus“ in die Hand. Da beschloss ich, meine Arbeit als Programmierer aufzugeben und in den Kohlekessel zu gehen. Dort, am Ufer des Flusses, arbeitete ich ein halbes Jahr als Heizer. Diese Arbeit erinnerte mich an die Haiku-Dichtung:

                                  Wie schön,

                                  Wie wundervoll,

                                  Ich schleppe Wasser, ich trage Feuerholz!

Ich las viel: die Bibel, Bunin, Tolstoi.... Die Abende verbrachte ich allein am Flussufer. Ich war glücklich....

Im Sommer des Jahres 1980 fuhr ich nach Kirgisien auf die Schneelawinenwarnungsstation. In einer Höhe von 3300 Metern gab es eine Überwinterungsstation. Ich war so überwältigt von der mich umgebenden Schönheit der Natur, dass ich mir von meinem ersten Gehalt eine Kamera kaufte. Jenes Licht, das Licht von Schnee, Himmel, Sternen erfüllte mich. Dort in den Bergen spürte ich die natürlichen Rhythmen des Menschenlebens, die nicht von der Natur trennbar sind: Tag und Nacht, den Mond, seinen Wechsel, die Jahreszeiten.
                                      Dies ist mein letztes Haus,

                                      In welchem ich leben werde.

                                      Schnee fünf Fuß hoch....

Dort lernte ich begreifen, was mannshoher Schnee ist. Dann ist mein Freund in den Bergen verschollen. Vergeblich suchten wir ihn, und nur durch ein Wunder blieben wir selbst am Leben.... Danach kehrte ich im Herbst 1982 nach Nischni Nowgorod zurück.

Wieder in der Stadt suchte ich das „Licht“ und fühlte es: mal in alten, halbzerfallenen Wänden, mal in einem Kind, mal in einem alten Mann. Bei den Altgläubigen gefielen mir ihre Gesichter in Momenten unserer Gespräche. Die Gesichter verklärten sich. Nur in solchen Momenten habe ich fotografiert. Das ist es, was mich beim Fotografieren bewegt. Ich habe keine Falten in den Gesichtern gesehen, habe nicht gesehen, dass die Hauswände zerfallen waren: ich sehe nur das Licht. Dieses Licht will ich bewahren und weitergeben.


  Veröffentlichung:

         Lev R. Silber "Das verborgene Gesicht Rußlands"

         Altgläubige. Stadtlandschaften. Porträts.


          


        Edition Ereata                                Leipzig 2002


        Ausstellungen


1989                    Porträts, Landschaften - erste Ausstellung in Kohtla-Järve, Estland

1992                    Porträts, Landschaften - Kulturladen, Prenzlauer Berg, Berlin

1993                    Porträts, Landschaften - Galerie „Fehre-6“, Berlin-Mitte

1994                    Porträts, Landschaften - Galerie „Friedersdorf“, Oderbruch

                             Russische Altgläubige – Galerie „ Mandala“, Berlin-Pankow

                             Stadtlandschaften - Galerie „ Feuerstein“, Berlin-Mitte

1995                    Russische Altgläubige - Versöhnungskirche, Essen-Rüttenscheid

                             Russische Altgläubige - Französischen Kirche, Dom, Berlin-Mitte

1996                    Russische Altgläubige - Katholische Akademie, Berlin-Mitte

                            Russische Altgläubige, Porträts, Landschaften - Haus der Ev. Kirche, Essen-Mitte

1997                   Russische Altgläubige - Schweizer Botschaft, Moskau

                             Russische Altgläubige, Porträts, Landschaften - Domhofgalerie, Zwickau

1998                    Russische Altgläubige – Leucorea, Lutherstadt Wittenberg

1999                    Russische Altgläubige – Evangelische Akademie, Hamburg

2001                    Russische Altgläubige, Porträts, Landschaften – Zentralbank, Nischni Nowgorod

2002                    Russische Altgläubige – Galerie „Erata“, Leipzig

2003                    Russische Altgläubige – Stadtbibliothek, Osnabrück

2004                    Russische Altgläubige – Lew Kopelew Forum, Köln

                             Russische Altgläubige – Galerie „Dreiklang“, Hannoversch Münden
 
                             Russische Altgläubige – Museum „Villa Stahmer“, Georgsmarienhütte

2005                    Russische Altgläubige, Porträts - Evangelische Akademie Hofgeismar

2006                    Karneval in Köln (2004), Intellektuelle, Landschaften und Altgläubige aus

                              Russland - Lutherhaus, Osnabrück

2007                     Die Klagemauer in Jerusalem - St. Katharinen, Osnabrück

2008                     Porträts, Landschaften aus Gorki-Stadt - Lagerhalle,Osnabrück

2008                     Karneval kulinarisch in Köln (2008) - “eat and art”, Osnabrück

2008                     Porträts, Landschaften - „OPS – One Picture Show“, Rom - Florenz

2009                     Porträts, Landschaften - „OPS – One Picture Show“, Osnabrück

2009                     Osterfeier in Jerusalem 2009 – St. Katharinen, Osnabrück

2010                     “Outside Art inside”, Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des KunstKontainers der

                              HHO (Die Heilpädagogischen Hilfe Osnabrück e.V.), Kreishaus, Osnabrück

2011                     "Jüdischer Friedhof in Hamburg-Altona" – St. Katharinen, Osnabrück

2011                     In Februar 2011 hat mich die Deutsche Gesellschaft für Photographie (DGPh) zum Mitglied berufen.


Zu meinen Kunden zählen:

 

- Berliner Missionswerk, Berlin (Februar 1992 – 10 Fotos)

 

- Fotogalerie Mandala, Christine Radack, Berlin (Februar 1992 – 1 Foto)

 

- Humboldt Universität, Berlin (Mai 1992 – 14 Fotos)

 

- Jüdischer Kulturverein, Berlin (Juli 1994 – 15 Fotos)

 

- Galerie Bodo Niemann

- Linienstr. 148

- 10115 Berlin – (Juni 1994 – 8 Fotos; Juni 1995 – 11 Fotos)

 

- Französischer Dom, Berlin (Juli 1995 – 3 Fotos)

 

- Katholische Akademie, Berlin (März 1996 – 5 Fotos)

 

- Vier-Evangelisten Kirchgemeinde, Berlin (Mai 1996 – 7 Fotos)

 

- Martin Luther Kirchgemeinde, Berlin

(November 1998 – 2 Fotos)

 

- Galerie Argus, Norbert Bunge, Berlin

(November 1998 – 6 Fotos)

 

- Museum für Völkerkunde, Berlin

(November 1999 – 18 Fotos)


- private Käufer:

 

- Fotogalerie Brotfabrik, Inka Schube, Berlin (November 1992 – 1 Foto)

 

- Dr. G. Berghorn, MA, DAAD (November 1993 – 6 Fotos;

Februar 1994 – 7 Fotos; April 1994 – 8 Fotos; Januar 1996 – 5 Fotos)

 

- Johann Bücher, Botschafter die Schweiz in Russland, Moskau

(Januar 1996 – 3 Fotos)

 

- Versöhnungskirche, R. Kolb, Essen (Juli 1994 – 6 Fotos;

Mai 1995 – 1 Foto; Mai 1996 – 5 Fotos)

 

- Uta Eskildsen, Museum Folkwang, Essen (Mai 1996 – 1 Foto)

 

Diverse Veröffentlichungen im In- und Ausland