Lev Silber         Kiwittstr. 47         49080 Osnabrück          Deutschland

            Mobil: 0173/ 800 41 18        E-Mail: lew.silber@gmail.com


                

             Lev Silber. Gemälde von Gitis Umbrasas. Litauen 1984


1953              geboren am 1. Dezember in Gorki (Nischni Nowgorod)

1971-77        Studium an der Mathematischen Fakultät der Gorki-Universität

1973-78        Programmierer in einem Rechenzentrum, Gorki

1978-88        Heizer in Gorki, Arbeit bei der Lawinenschutzstation in den Bergen von

                      Kirgisien, Funker auf einer Wetterstation in Georgien,

                      Pferdepfleger in einer Reitschule für Kinder in Gorki

1982              Beginn der Beschäftigung mit Fotografie

seit 1988       freiberuflicher Fotograf



                                            Autobiographisches

Ich wurde im Dezember des Jahres 53 in der Stadt Nischni Nowgorod geboren. Mein Vater arbeitete als Klempner in einer Fabrik, meine Mutter blieb mit mir zu Hause. Wir hatten ein kleines Haus mit Ofen. Auch ringsum gab es nur diese kleinen Häuser. Im Frühling überschwemmte das Schmelzwasser die Straße bis zu unserem Haus, und ich vertrieb mir die Zeit damit, Larven und Käfer zu fangen, Raupen zu füttern. Hunde, Tauben und Katzen waren meine Freunde, und Hund und Katze haben sich „nicht gestritten“. Ich war das einzige Kind meines Alters in dieser Gegend. Im Einklang mit der Natur und mit mir dachte ich lange, es gäbe nur gute Menschen. Ich wusste nichts von Religionen und Konfessionen. Mein Vater respektierte alle Gläubigen.

Dann kam ich zur Schule. Nach ihrer Beendigung studierte ich an der Mathematischen Fakultät der Universität bis 1977 und arbeitete als Programmierer in einem Rechenzentrum. Im selben Jahr kehrte mein Cousin aus Leningrad zurück, wo er an der Kunstschule studiert hatte. Seine Freundschaft wurde mir sehr wichtig. Er machte mich mit der Dichtung Walt Whitmans, Paul Eluards, Blaise Cendrars bekannt, ich sah Bilder von Chagall, van Gogh, Gauguin. Ich spielte Go. 1978 hatte ich vier Kyu. Und in eben diesem Jahr fiel mir Suzukis Buch „Grundlagen des Zenbuddhismus“ in die Hand. Da beschloss ich, meine Arbeit als Programmierer aufzugeben und in den Kohlekessel zu gehen. Dort, am Ufer des Flusses, arbeitete ich ein halbes Jahr als Heizer. Diese Arbeit erinnerte mich an die Haiku-Dichtung:

                                  Wie schön,

                                  Wie wundervoll,

                                  Ich schleppe Wasser, ich trage Feuerholz!

Ich las viel: die Bibel, Bunin, Tolstoi.... Die Abende verbrachte ich allein am Flussufer. Ich war glücklich....

Im Sommer des Jahres 1980 fuhr ich nach Kirgisien auf die Schneelawinenwarnungsstation. In einer Höhe von 3300 Metern gab es eine Überwinterungsstation. Ich war so überwältigt von der mich umgebenden Schönheit der Natur, dass ich mir von meinem ersten Gehalt eine Kamera kaufte. Jenes Licht, das Licht von Schnee, Himmel, Sternen erfüllte mich. Dort in den Bergen spürte ich die natürlichen Rhythmen des Menschenlebens, die nicht von der Natur trennbar sind: Tag und Nacht, den Mond, seinen Wechsel, die Jahreszeiten.
                                      Dies ist mein letztes Haus,

                                      In welchem ich leben werde.

                                      Schnee fünf Fuß hoch....

Dort lernte ich begreifen, was mannshoher Schnee ist. Dann ist mein Freund in den Bergen verschollen. Vergeblich suchten wir ihn, und nur durch ein Wunder blieben wir selbst am Leben.... Danach kehrte ich im Herbst 1982 nach Nischni Nowgorod zurück.

Wieder in der Stadt suchte ich das „Licht“ und fühlte es: mal in alten, halbzerfallenen Wänden, mal in einem Kind, mal in einem alten Mann. Bei den Altgläubigen gefielen mir ihre Gesichter in Momenten unserer Gespräche. Die Gesichter verklärten sich. Nur in solchen Momenten habe ich fotografiert. Das ist es, was mich beim Fotografieren bewegt. Ich habe keine Falten in den Gesichtern gesehen, habe nicht gesehen, dass die Hauswände zerfallen waren: ich sehe nur das Licht. Dieses Licht will ich bewahren und weitergeben.


  Veröffentlichung:

         Lev R. Silber "Das verborgene Gesicht Rußlands"

         Altgläubige. Stadtlandschaften. Porträts.


          


        Edition Ereata                                Leipzig 2002


                        Spiegel der Lebensfreude

           Ausstellung mit Fotos Lev Silbers eröffnet heute die Reihe ,,Kultur - Kultura" 

Von Tom Bullmann

OSNABRÜCK. Der Kölner Karneval, festgehalten In Schwarzweiß-Bildern vom russischen Fotografen Lev Silber, sowie russische Landschaften und Per­sonenporträts - das sind die Themen einer Ausstel­lung, die heute im Luther­haus eröffnet wird. „Stand­bilder" ist der Titel der Foto­schau, die die Veranstal­tungsreihe „Kultur – Kultura“ begleitet.

„Diesen Mann mochte ich", sagt Silber in seiner sanften Art. Sein Blick ruht auf dem Porträt von Pankrati Ermilowitsch, einem 75-jäh­rigen Russen, den Silber in den 90er Jahren in dessen Heimatdorf Pustin irgendwo in der Nähe von Nischni Nowgorod ablichtete. Die Sympathie, die der Fotograf für sein Modell hegte, über­trägt sich auf das Porträt, ver­leiht ihm eine besondere menschliche Ausstrahlung: Unter dem Bart, der fast das ganze Gesicht des Alten ver­deckt, scheint sich ein lä­cheln zu verbergen. Auch die 59-jährige Irina lichtete Sil­ber in einem besonderen Mo­ment ab. Ihre geschlossenen Augen zeugen nicht von Müdigkeit, sondern von einer gewissen Art Konzentration. „Sie hatte mir gerade von ih­rem Vater erzählt, der sich aus den Fängen des KGB be­freien konnte", erinnert sich Lev Silber. Die Zufriedenheit über diese positive Wende ihr Leben der Frau liegt wie eine Aura über der Fotografie.

Der Moment der Ruhe ist dem 1953 in Nischni Nowgo­rod geborenen Russen wich­tig - nicht nur in der Fotogra­fie, sondern auch in Bezug auf sein eigenes Leben. Der gelernte Mathematiker gab seinen Job als Programmie­rer auf, um einfache Arbeiten als Heizer, Funker, Lawinen­schutztechniker oder Pferde­pfleger anzunehmen, die ihn häufig in entlegene Gegen­den führten, wo er sich der Kontemplation und der Schönheit der Natur widmen konnte. Was er dort erlebte, wollte er unbedingt doku­mentieren und kaufte sich eine Kamera. Ob er damit den Nebel am Fluss Kerschenez in seiner Heimat oder die rivalisierenden Puschkin­ Forscher Professor Juri M. Lotmann und Valentin Ne­pomnjaszczi ablichtete - die Ausstrahlung, das Licht ist für den Fotografen essenziell.

   Eine vollkommen andere Wirkung erzielen die Fotos, die der Wahl-Osnabrücker 2004 während der  Karnevalszeit in Köln anfertigte. Fröhliche Kinder im Konfet­ti-Regen, ausgelassene Er­wachsene in Verkleidung oder auch das ganz allein auf einer Tribüne sitzende Mäd­chen mit dem gewinnenden lachen: Diese Bilder sind der Spiegel purer Lebensfreude. Erst auf den zweiten Blick vermisst man die Farbe, die das bunte Karnevalstreiben in der Realität enorm prägt. Aber Lev Silber versteht die rheinische Lust am Feiern auch in Schwarzweiß­-Aufnahmen zu vermitteln.

   Silbers fotografischer Blick verbindet die alte mit seiner neuen Heimat und symboli­siert damit das Anliegen der Veranstaltungsreihe „Kultur – Kultura“: Die unterschiedli­chen Kulturen sollen sich be­gegnen, der Dialog zwischen Russland und Deutschland soll gefördert werden.


Neue Osnabrücker Zeitung    3. November 2006


       Ausstellungen


1989             erste Ausstellung in Kohtla-Järve, Estland

1992             Kulturladen, Prenzlauer Berg, Berlin

1993             Galerie „Fehre-6“, Berlin-Mitte

1994             Galerie „Friedersdorf“, Oderbruch

                   Galerie „ Mandala“, Berlin-Pankow

                   Galerie „ Feuerstein“, Berlin-Mitte

1995             Versöhnungskirche, Essen – Rüttenscheid

                   Französischen Kirche, Dom, Berlin-Mitte

1996             Katholische Akademie, Berlin-Mitte

                   Haus der Ev. Kirche, Essen-Mitte

1997             Schweizer Botschaft, Moskau

                   Domhofgalerie, Zwickau

1998             Leucorea, Lutherstadt Wittenberg

1999             Ev. Akademie, Hamburg

2001             Zentralbank, Nischni Nowgorod

2002             Galerie „Erata“, Leipzig

2003             Stadtbibliothek, Osnabrück

2004             Lew Kopelew Forum, Köln

                   Galerie „Dreiklang“, Hannoversch Münden

                   Museum „Villa Stahmer“, Georgsmarienhütte

2005             Ev. Akademie, Hofgeismar

2006             Lutherhaus, Osnabrück

2007             Katharinenkirche, Osnabrück

2008             Lagerhalle, Osnabrück

                   "Eat und Art", Osnabrück

2008-2009      "OPS – One Picture Show", Rom-Florenz-Osnabrück

2009             Katharinenkirche, Osnabrück